res publica,
10.12.2003
Protestfax für Viktor Gusselnikov
Der Flüchtling Viktor Gusselnikov wird trotz einer behandlungsbedürftigen
psychischen Erkrankung nicht aus dem Abschiebelager Fürth entlassen, die
Regierung von Mittelfranken verletzt das Menschenrecht auf ein Höchstmaß
an körperlicher und geistiger Gesundheit (wir
berichteten). Bitte unterstützen Sie Viktor Gusselnikov durch das folgende
Protestfax an die Regierung von Mittelfranken:
An:
Peter Meißner
Regierung von Mittelfranken
Zentrale Rückführungsstelle Nordbayern
Rothenburger Straße 31
90513 Zirndorf
Tel: 0911/9693 200
Fax: 0911/9693290
peter.meissner@reg-mfr.bayern.de
Sofortige Entlassung von Viktor Gusselnikov aus dem Ausreiselager
Fürth
Sehr geehrter Herr Meisner,
seit dem 27. August 2003 befindet sich der staatenlose Viktor Gusselnikov im
"Ausreisezentrum" Fürth. Herr Gusselnikov ist, wie Sie wissen,
Lehrer, 57 Jahre alt und floh als Angehöriger der russischer Minderheit
in Estland 1992 nach Deutschland. Sein Asylantrag wurde 1997 endgültig
rechtskräftig abgelehnt und gleichzeitig seine Staatenlosigkeit festgestellt.
Herr Gusselnikov konnte und kann nicht abgeschoben werden, weil die estnischen
Behörden ihn unter Verweis auf seine Zugehörigkeit zur russischen
Minderheit nicht als Staatsangehörigen ihres Landes anerkennen, ebenso
wie die russischen Behörden, die unter dem Verweis auf seinen langjährigen
Aufenthalt in Estland ablehnen. Obwohl diese unverschuldete Staatenlosigkeit
auch der zuständigen Ausländerbehörde Kronach bekannt war, sah
sie darin ein individuelles Verschulden Herrn Gusselnikovs und ließ ihn
aufgrund angeblicher "Identitätsverschleierung" mit Bescheid
vom 21.10.02 ins Abschiebelager Fürth einweisen. Doch Hr. Gusselnikov hat
nie seine Identität verschleiert, bis heute liegt sein inzwischen ungültiger,
sowjetischer Pass der Ausländerbehörde Kronach vor.
Herr Gusselnikov ist, wie Ihnen ebenfalls bekannt sein dürfte, aufgrund
seiner Lebenssituation psychisch erkrankt. Wegen akuter Suizidgefahr wurde er
am 08.11.02 - keine drei Wochen nach Zustellung des ersten Einweisungsbescheids
in das "Ausreisezentrum" Fürth - von seinem behandelnden Arzt
erstmals in die psychiatrische Bezirksklinik Obermain eingewiesen. Dort wurde
er mehrmals stationär behandelt, zuletzt jedoch aufgrund der Intervention
ihres ehemaligen Vorgesetzten Christoph Hammer entlassen. Seitdem fristet er
sein Leben im Abschiebelager, psychisch krank, mit einer durch eine Augenkrankheit
reduzierten Sehfähigkeit von lediglich 3 %. Herr G. läuft getrieben
von seiner innerer Unruhe stöhnend im Flur des Abschiebelagers auf und
ab. Krankheitsbedingt hat er Schwierigkeiten in der Körperwahrnehmung und
verwahrlost zusehends, was die anderen Flüchtlinge im Lager abschreckt.
Die daraus entstehenden Spannungen zwischen den Flüchtlingen im Lager hält
Hr. Gusselnikov, beeinträchtigt durch ängstliche und paranoide Denkinhalte,
kaum aus. Des weiteren kann er wegen ausgeprägter Angstgefühle das
Lager, teilweise nicht mal sein dortiges Zimmer verlassen.
Da Sie keinerlei Anstalten unternommen haben, die notwendige Unterstützung
bei der körperlichen und psychischen Versorgung Hr. Gusselnikovs sicherzustellen,
sprang die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen
aus Nürnberg ein. Deren Mitarbeiter nahmen Kontakt zu kirchlichen Unterstützerkreisen
auf, organisierten die medizinische Versorgung und begleiteten ihn zu Arzt-,
Anwalts-, und Behördenterminen, die er aufgrund seiner Sehbehinderung alleine
nicht mehr wahrnehmen konnte.
Obwohl seine Nürnberger Fachärztin für Psychiatrie, Dr. Meta
Hofmann, in einem Gutachten vom 24.10.2003 feststellte, dass Hr. Gusselnikovs
"körperliche und psychische Versorgung (...) im Ausreiselager nicht
ausreichend gesichert (ist), sodass es zwingend erforderlich ist für Herrn
Gusselnikow, aus dem Lager herauszukommen", beharren Sie auf seiner Unterbringung
im Abschiebelager. Zudem beteuert ihr Pressesprecher, Bodo Domröse, Hr.
Gusselnikov könne im Abschiebelager sogar intensiver betreut werden, da
der Sicherheitsdienst Arndt 24 Stunden vor Ort sei (Fürther Nachrichten
vom 09.12.2003).
Ich fordere Sie auf,
- das Menschenrecht auf ein Höchstmaß an körperlicher und
geistiger Gesundheit zu respektieren,
- Hr. Gusselnikov aus dem Abschiebelager Fürth zu entlassen, damit
er angemessen behandelt werden kann
- und das Abschiebelager in Fürth zu schließen!
Das
Protestfax zum downloaden, ausdrucken und faxen